Wie in erstem Teil erwähnt, ergab sich 1990 für mich die Möglichkeit, das Studium im Hinblick auf das Priestertum in Wien fortzusetzen. Wie kam es dazu?
Meine erste Begegnung mit der Erzdiözese Wien außerhalb des Missionshauses St. Gabriel fand bereits in den ersten Wochen statt. Trotz der extrem modernistischen und antikatholischen Einstellung der Leitung des Hauses gab es einige Mitbrüder, vor allem ältere, die Jahr für Jahr um die Mitte September zu der sog. Mariä-Namen-Feier in der Wiener Stadthalle fuhren. So wurde ich eingeladen mitzufahren und konnte an dieser Feier im September 1988 teilnehmen. Die Einladung war in dem Sinne nicht selbstverständlich, weil man von den Meisten annehmen konnte, dass sie es nur verspotten würden. Besonders verpönt war es, an der Feier am Sonntag teilzunehmen, weil diese von dem neuen Erzbischof, Kardinal Hans Hermann Groër OSB, gehalten wurde. Etliche im Haus hatten etwas gegen ihn, genauso wie gegen den Papst. Es war mir nicht von vorne herein klar, worum es geht, sondern erst mit der Zeit. Diejenigen, die unverhohlen das Katholische verhöhnten und ablehnten, machten keinen Hehl daraus, den Erzbischof abzulehnen und zu verspotten.
Im Jahre 1989 wurde gerade das 100-jähriges Jubiläum des Missionshauses St. Gabriel gefeiert. Der Rektor des Hauses, P. Ludwig Hauser SVD, der eher zu den gemäßigten Modernisten zählte, nahm dennoch sein Amt ernst und lud anstandshalber den Erzbischof zu der Jubiläumsfeier ein. Dieser nahm die Einladung an und kam, soweit ich mich richtig erinnere, Anfang September zu einer feierlichen hl. Messe. Der Empfang war alles andere als herzlich, dennoch schätzten daran die Meisten, wenn nicht alle, den Mut und die Charakterstärke des Kardinals. Mitten in meinen Schwierigkeiten mit dem Präfekten, die ich bereits im Teil I. erwähnte, schrieb ich einen Brief an der Kardinal, in dem ich mich für Seinen Besuch im Missionshaus bedankte. Dabei deutete ich auch meine Schwierigkeiten an. Bald kam eine Antwort, die klar, herzlich und zugleich ermutigend war:
Die Einladung zu einem Gespräch nahm ich gern an, obwohl ich noch keine konkretes Anliegen hatte. Der Termin wurde mit der Sekretär telefonisch vereinbart.
Es stellte sich heraus, dass der Kardinal die Initiative ergriff. Er war taktvoll, ehrlich, ziemlich direkt und zugleich sehr herzlich. Er fragte, ob ich einen Seelenführer habe. Die Frage war insofern schwierig als ich in meinem ersten Jahr einen alten Pater, ehemaligen China-Missionar, zum Beichtvater hatte, dann aber - auf Drängen des Präfekten - versuchte, mich seinem Gesinnungsgenossen, dem Novizenmeister, der menschlich allerdings viel sympathischer war, anzuvertrauen. Nach einigen "Beichtgesprächen", wie es dort hieß, hatte ich den Eindruck, dass der Inhalt an den Präfekten weiter gegeben wurde. Ich hatte keine besonders schweren Sünden zu beichten, fühlte mich aber unwohl mit dem Gedanken, dass das Beichtgeheimnis nicht eingehalten wird. Ich wollte einfach nicht manipuliert werden und verlor das Vertrauen. Deshalb nahm ich gerne das Angebot des Kardinals an, einen von ihm empfohlenen Priester als Seelenführer zu nehmen. Es stellte sich heraus, dass es P. Ildefons Fux OSB war, quasi der geistige Sohn des Kardinals. Er hat mich durch die sehr schwierige Zeit bis in die Priesterweihe und auch danach begleitet, mit großartiger Hilfsbereitschaft, Geduld und Güte, wenngleich dann der Kontakt - bedingt auch durch seine unerwartete Erkrankung - seltener wurde.
Ich wollte damals einfach das Studium im Hinblick auf das Priestertum abschließen. Im Februar 1990 zog ich zunächst nur als Gast in das Wiener Priesterseminar ein und nahm das Studium der Fachtheologie und der Religionspädagogik an der Universität Wien auf. Ich lebte praktisch als einer der Seminaristen, ohne offiziell dem Priesterseminar anzugehören. Nach dem Sommersemester stellte sich die Frage, wie es weiter gehen soll. Nach Rücksprache mit P. Ildefons suchte ich um Aufnahme an und wurde aufgenommen. Der Kardinal gab gelegentlich Zeichen seines Wohlwollens. Es stellte sich heraus, dass er auch zu anderen Seminaristen einen väterlichen und zugleich taktvollen Kontakt pflegte. Hier eines der Zeichen seines herzlichen Gedenkens:
Das Bild zeigt ihn bei der monatlichen Zelebration des Herz-Jesu-Freitags am Seitenaltar im Wiener Stephansdom. Diese Feier führte er ein und hielt sie treu Monat für Monat, solange er im Amt des Erzbischofs war. Den Seminaristen, die für konservative Einstellung bekannt waren, schickte er gerne diese Karte.
Im Laufe der Jahre erhielt ich insgesamt Dutzende Schreiben vom Herrn Kardinal. Er antwortete selbst auf meine Postkarten aus den Ferien. Da ich ihn nicht belasten wollte, schrieb ich nur dann, wenn es nötig war oder wenn ich mich bedanken wollte. Er antwortete immer klar, treffend, ehrlich und höflich, auch wenn er mich korrigieren musste. Im Rückblick erkenne ich, dass meine Worte nicht selten verletzend sein konnten, auch wenn sie nicht böse gemeint waren. Der Grund waren Schwierigkeiten, die mit der Zeit auftraten. Darauf muss ich etwas eingehen, um des Verständnisses willen.
Nach einem schönen Jahr als Seminarist der Erzdiözese Wien und nach guten Fortschritten im Studium an der Universität Wien, teilte mir der Regens mit, dass ich ab Herbst 1991 in ein Pfarrpraktikum entsandt werde, um die pfarrliche Seelsorge kennen zu lernen. Zugleich sollte ich das Studium fortsetzen. Irgendwie ahnte ich nichts Gutes und dies hat sich bewahrheitet. Zwar erfuhr ich, dass der Pfarrer - Friedrich Koren - als ein guter Mensch gilt, denn er hatte schon vor mir einen polnischen Seminaristen als Praktikanten. Das Andere blieb mir aber unbekannt, bis ich es bitter erleben musste.
Es war die Pfarrei Allerheiligen im 20. Wiener Bezirk. Gleich am ersten Sonntag in der Pfarrei kam es zu einem Eklat. Selbstverständlich ministrierte ich in der hl. Messe. Wie für mich gewohnt, kniete ich bei der Wandlung - im Gegensatz zu den anderen Ministranten - und wollte auch die Kommunion kniend in den Mund empfangen. Sichtlich verärgert befahl mir der Pfarrer laut: "steh auf!", was ich natürlich nicht tat und so gab mir der Pfarrer resigniert und empört die Hostie in den Mund. Nach der hl. Messe wollte er mit mir sprechen und teilte mir mit, dass ich den Regens bitten sollte, mich in eine andere Pfarrei zu senden, denn er möchte mir nicht schaden. Das sagte ich dann dem Regens. Dieser meinte, dass dies nicht gut wäre und ich somit dort zu bleiben hätte. Für mich war es quasi eine Wiederholung der traumatischen Erfahrungen mit dem Präfekten aus St. Gabriel. Dennoch habe ich mich mit dem Pfarrer folgendermaßen arrangiert: Ich solle bei ihm nicht mehr ministrieren und müsse die hl. Messe in der Pfarre nicht besuchen. An Aufgaben hatte ich die Erstkommunionvorbereitung und Besuche bei der Seniorenrunde (ich habe mit denen in der Regel "Mensch ärgere dich nich" gespielt und oft gewonnen). So war das Praktikumsjahr doch nicht schlecht, denn ich konnte das Studium vorwärts bringen, d. h. die letzten Prüfungen erledigen und es gelang mir sogar, die Magisterarbeit anzufertigen. Das Schlimmste in dem Jahr war, dass ich dort ein kleines Zimmer direkt an der Pfarrersküche hatte, wo oft abends bis spät Unterhaltungen bei Bier und Zigarettenrauch usw. statt fanden. So hatte ich dort keine Ruhe zum Studieren und konnte an solchen Abenden bis spät nicht schlafen. Ansonsten wurde ich vom Pfarrer und von allen Anderen fair und sogar mit Sympathie behandelt. Die Krönung des Studienjahres bestand in der Abschlussprüfung samt der Annahme der Magisterarbeit mit den Noten "gut" und "sehr gut".
Nach dem Studienabschluss stand normalerweise die Diakonatsweihe an. Ich hatte mich quasi "verspätet", denn Diakone wurden im Mai geweiht und ich hatte - als Quereinsteiger - den Abschluss erst im Juni 1992. So fuhr ich in die Ferien voller Ungewissheit, was mich im nächsten Jahr erwartet. Im Sommer kam es überraschend zum Wechsel des Regens, offensichtlich auf Betreiben des damaligen Weihbischofs Ch. Schönborn OP. Im August war ich im Dienst für die Pilger in Lourdes. Als ich Ende des Monats nach Wien zurück kam, warteten auf mich alarmierende Nachrichten, dass ich dringend den neuen Regens - Dr. Leopold Matthias - zu kontaktieren hätte, der noch in seiner Pfarrei residierte. Bei ihm angekommen, erfuhr ich, dass mir ein weiteres Praktikumsjahr bevor steht, diesmal im 11. Bezirk. Er sprach auch die Diakonatsweihe an und meinte zunächst, dass ich erst nächstes Jahr geweiht werden könnte. Ich fand es etwas enttäuschend und sagte dies auch. Zunächst wollte ich mich aber auf der Tätigkeit konzentrieren.
Die Pfarre Neusimmering war ziemlich anders. Es war damals die bevölkerungsreichste Pfarre in Wien. Der Pfarrer war ein Benediktiner aus Seckau, P. Martin Vock. Die Unterkunft für mich wurde in dem Ordenshaus der Benediktinerinnen der Anbetung bestimmt, die dort ein Heim für geistig behinderte Kinder führten. Somit war ich an einem mehr spirituellen Ort, was mir sehr gefiel. Die Schwestern, obwohl es damals schon nur wenige und großteils ältere waren, kümmerten sich um mich in jeder Hinsicht, so dass ich regelrecht bemuttert wurde. Mit dem Pfarrer und dem Kaplan hatte ich auch ein gutes Einvernehmen. Ich wurde zu keinen Missbräuchen gezwungen. Als der Pfarrer erfuhr, dass ich etwas Orgel spielen kann, engagierte er mich gleich für eine der Sonntagsmessen, um den Organisten, der schon älter war, etwas zu entlasten. Dafür gab mir der Pfarrer kein Honorar, sondern lud mich sonntags zum Mittagessen ein (es war ein gutes Geschäft für ihn).
Es war aber nicht Alles, denn es wäre ja zu schön gewesen. Ich wurde nämlich auch zum Schulunterricht entsandt. Genauer waren es zwei Hauptschulen, also die Schulart, die damals schon am meisten gefürchtet wurde. Von dem, was ich gehört habe, hat sonst kein Seminarist in einer Hauptschule unterrichten müssen. Die Meisten waren in einer Volksschule tätig, Einige an Gymnasien. Selbst Priester mieden Hauptschulen wie die Pest, vor allem in Wien. Eigentlich hatte ich mit dem Abschluss und Diplom in der Religionspädagogik (was für Volksschule und Hauptschule nicht notwendig war) die Qualifikation, an einem Gymnasium zu unterrichten, was für mich wohl leichter gewesen wäre, denn im Studium hatte ich Praktikum an einem katholischen Gymnasium und es ging recht gut. Dennoch freute mich auf das Unterrichten und setzte all meine Kräfte ein. In beiden Schule, in denen ich arbeitete, war bekannt, dass ich Priesteramtskandidat war. Manche Lehrer brachten mir Sympathie entgegen. Eine Lehrerin, die meinen Einsatz schätzte, erwähnte, dass meine Vorgängerin in ihrem Religionsunterricht nicht einmal das Wort "Gott" benutzte und den Inhalt auf Zwischenmenschliches reduzierte. Sie verließ die Schule um in einem Kabaret zu arbeiten und konnte dort anscheinend noch kreativer wirken. Der Kontrast zu meiner Einstellung konnte wohl kaum größer sein, was ich bald zu spüren bekam. In meinem Enthusiasmus habe ich klare Forderungen an die Schüler gestellt. Mit den Meisten - ich unterrichtete zwei Klassen mit 14-15 Jährigen - hatte ich keine Schwierigkeiten. Konflikte begannen, als ich verlangte, dass die Schüler die Zehn Gebote lernen, und benotete sie seriös, d. h. für ihre Leistung. Der Widerstand formierte sich vor allem seitens einiger Lehrer als auch seitens einiger Eltern, die vor allem das sechste Gebot schlimm fanden (die meisten Kinder stammten nicht aus normalen Familien). Die meisten Schüler waren durchaus interessiert und stellten ernste Fragen, die ich sorgfältig beantwortete. So kam mal die Frage: "Können Sie beweisen, dass es Gott gibt?". Begeistert bereitete ich eine ganze Unterrichtsstunde zu dem Thema vor, die ich auch ankündigte. Dafür hatte ich die quinque viae des hl. Thomas schülergerecht aufgearbeitet. Während des Unterrichts öffnete sich auf einmal die Klassentür und es kam ein Herr rein, der ohne ein Wort nach hinten ging und dort in der Bank Platz nahm. Ich war damals viel zu schüchtern und zu "brav", um zu fragen, wer er sei und was er hier wolle. Etwas aufgeregt unterrichtete ich weiter und legte den vorbereiteten Stoff "Gottesbeweise" dar. Nach einiger Zeit stand dieser Herr auf, kam nach vorne und übernahm das Wort, indem er mir direkt widersprach mit der Aussage: "man kann nicht beweisen, dass es Gott gibt". Nach diesen Worten verließ er den Klassenraum. Als ich nach dem Unterricht ins Lehrerzimmer kam, begrüßte mich der Direktor mit diesem Mann, der ihn als den Bezirksschulinspektor vorstellte. Dieser äußerte den Wunsch mit mir zu sprechen und nannte mir einen Termin und den Ort, d. h. sein Büro im Bezirksamt. Natürlich ging ich hin. Er war scheinbar freundlich, belehrte mich quasi, wie ich zu unterrichten hätte und bekräftigte seine Aussage, dass die Gottesbeweise des hl. Thomas Quatsch seien. Es war mir zunächst nicht klar, dass es Anfang vom Ende meiner Tätigkeit an der Schule war. Es kamen immer mehr Probleme beim Unterrichten, wobei ich den Eindruck hatte, dass die Kinder aufgehetzt werden. Schon alleine der Vorfall mit dem Schulinspektor in der Klasse untergrub meine Autorität und ermutigte, gegen mich vorzugehen. Ich bekam dann auch eine Einladung des "kirchlichen" Religionsunterrichtsinspektors zu einem Gespräch. Bei Kaffee und Kuchen versuchte er mich zu überzeugen, die Tätigkeit in der Schule aufzugeben. Den Grund konnte ich insoweit nachvollziehen, als ich mich tatsächlich sehr schwer tat, die Disziplin im Unterricht aufrecht zu erhalten, denn einige Schüler waren sehr frech und störten mit Absicht, offenbar von ihren Eltern und wohl auch von einigen Lehrern dazu ermutigt. Einige Lehrer hatte ich alleine deswegen gegen mich, weil ich es ablehnte, den Unterricht gemeinsam mit einer protestantischen "Pfarrerin", die ebenfalls in der Schule tätig war, zu machen. Es kam also Vieles zusammen: der Widerstand gegen die katholischen Inhalte und die Anforderungen, verbunden mit Bosheit und Hinterhältigkeit seitens der höchsten Stellen wie der Bezirksschulinspektor, und auch meine Naivität, Unerfahrenheit und Unfähigkeit, in dieser sehr schwierigen Lage alle Schüler für mich zu gewinnen (das Verhalten Einiger reichte aus, um den Unterricht sehr schwierig bis kaum möglich zu machen). Dennoch sah ich kleine Hoffnungsschimmer im Verhalten der schwierigsten Schüler und wollte an der Tätigkeit festhalten. Auch der Regens des Priesterseminars, also mein Vorgesetzter, schaltete ich ein und legte mir nahe, das Unterrichten aufzugeben. Das Wichtigste war für mich, geweiht zu werden, und der Regens sah es genauso. Ich bestand darauf, nicht das ganze Schuljahr warten zu müssen, um zum Diakon geweiht zu werden. Als der Regens fragte, was ich andernfalls tun würde, antwortete ich, dass ich in eine andere Diözese gehen würde. Nach einigem Hin und Her kam die Entscheidung, dass ich im Dezember 1992 in einem extra Termin zum Diakon geweiht werde und dafür nach dem Halbjahr (also im Februar 1993) den Schulunterricht aufgeben werde (das Dienstverhältnis wurde einvernehmlich gelöst). Ohnehin hatte ich in der Pfarre genug zu tun, denn ich machte den Erstkommunionunterricht, die Firmvorbereitung, Taufvorbereitung und half auch sonst mit. Zudem hatten wir jede Woche den Pastoralkurs im Priesterseminar. Die Perspektive, im Juni 1993 zum Priester geweiht zu werden, und nicht zuletzt die gute Atmosphäre sowohl in der Pfarre als auch im Kinderheim St. Raphael, waren mir Stütze und Trost. Rückschauend kann ich dieses Jahr dennoch als das Schönste in meiner pastoralen Tätigkeit in Wien ansehen, trotz der bitteren Erfahrungen in der Schule (wobei ich mir sicher bin, dass etliche Schüler, Lehrer und Eltern meine Tätigkeit dort schätzten, denn ich bekam auch schriftliche Zeichen dafür). Selbst etliche Lehrer der Hauptschule gratulierten mir zu Sponsion:
Möglicherweise wurde ich dadurch etwas übermütig. Denn als die Zeit kam, an die Primiz zu denken, fiel mir die Salesianerinnenkirche am Rennweg ein, wo in den ersten Jahren des sog. Indults die hl. Messe im überlieferten Ritus statt fand. Dort habe am Christkönigssonntag 1990 zum erstem Mal in meinem Leben an der überlieferten Liturgie teilgenommen. Es war meinerseits eine ehrliche Entscheidung ohne Hintergedanken - ein Bekenntnis zur Überlieferung der Kirche. Es wurde als ein Zeichen und Provokation verstanden. Die hl. Messe feierte ich zwar im Novus Ordo, aber auf Latein, ohne Volksaltar, mit gregorianischem Choral und mit Leviten. Konzelebration war natürlich ausgeschlossen, was den damaligen Kirchenrektor Prof. Hörmann (es war der berühmte emeritierte Moraltheologe an der Universität Wien) kränkte. Er stellte mir jedoch keine Hindernisse. Bei den Schwestern in St. Raphael zelebrierte ich eine Nachprimiz. In die Pfarrkirche wurde ich nicht eingeladen. Die Pfarre war offenbar gekränkt, dass ich die eigentliche Primizmesse nicht dort halten wollte. Es war von mir nicht gegen die Pfarre gedacht, sondern ich wollte meine erste hl. Messe möglichst traditionell feiern, was in der Pfarrmesse natürlich nicht möglich war. Dafür habe ich mich zu meinem Nachteil entschieden. Denkbare Vorteile einer Primiz in der Pfarre spielten für mich keine Rolle. Konsequenzen bekam ich bald zu spüren.
Kurz vor der Priesterweihe erfuhren wir unsere ersten Kaplansstellen. Ich wurde nach Jedlesee entsandt, im Norden von Wien. Die Pfarre war ziemlich groß, hatte aber bisher keinen regulären jungen Kaplan. Der Pfarrer, ein älterer Ungar, war zuvor viele Jahre in einem Dorf im Weinviertel tätig. In Jedlesee hatte er nur einen älteren Ordensmann zu Hilfe. Es war durchaus bedeutsam, wie es sich herausstellte. Von der Einstellung war er extrem modern, obwohl er sich zurückhaltend verhielt. Zudem gehörten zu der Pfarre einige Personen, die im Erzbischöflichen Ordinariat tätig waren. Einer sagte mir dann direkt: "Wir sind hier von der Liturgischen Bewegung geprägt und wollen kein Zurück hinter das Konzil". So kam sowohl bei diesen Personen als auch bei dem Pfarrer nicht gut an, dass in Soutane in die Kirche kam und nur den Römischen Kanon verwendete. Ich durfte zwar in der Schule nicht unterrichten, übernahm aber von meinem Vorgänger in der Pfarrtätigkeit (einem Laien, der mit dem Opus Dei in Verbindung stand) die Leitung der Firmvorbereitung. Es sah so aus, dass ich die Hauptverantwortung trug, während die Firmkandidaten in kleinen Gruppen von älteren Jugendlichen (Anfang/Mitte Zwanzig) geführt wurden. Ziemlich am Anfang war ein gemeinsames Wochenende für alle Firmkandidaten angesetzt, das ich zusammen mit den Firmhelfern zu leiten hatte. Während dieser Veranstaltungen wurden von den Jugendlichen Fragen an mich gestellt. Eine von ihnen lautete, ob die Empfägnisverhütung in Ordnung sei. Ich antwortete natürlich gemäß der Lehre der Kirche. Als Rückmeldung kam, dass einer der Firmhelfer anderer Meinung sei und dies auch in den Gruppenstunden gegenüber den Gruppenstunden vertrat. Daraufhin sagte ich zu diesem, dass ich zu seiner nächsten Gruppenstunde kommen werde. Es sollte dann während der Woche sein. Ich hatte mir die Zeit genommen und wartete auf die Gruppe im Pfarrhaus. Es kam aber niemand. Ich sah einige Jugendliche draußen. Als ich zu ihnen herauskam, kam gerade auch der Firmhelfer zu ihnen und er führte sie alle fort. Natürlich wollte ich ihnen nicht nachlaufen, es hatte keinen Sinn. Daraufhin schrieb ich dem jungen Mann einen Brief, indem ich ihm mitteilte, dass er als Firmhelfer entlassen ist. Am nächsten Tag rief mich der Pfarrer zu sich, hielt den Brief in der Hand und fragte, "was das soll". Ich wollte ihm erklären, worum es geht, er wollte es aber nicht hören und sagte, dass ich für die Firmvorbereitung nicht mehr verantwortlich sei, denn er werde sie nun selbst leiten.
Es kamen einige Kleinigkeiten dazu. Ein Beispiel: Der alte Mesner versuchte zu verhindern, dass ich die schönen alten Kaseln für Zelebration verwende, und richtete immer nur hässliche und schmutzigen "nachkonziliaren" Messgewänder her. Unbeeindruckt nahm ich mir eine schöne richtige Kasel aus der Schublade, schon alleine aus ästhetischen und hygienischen Gründen. Der Mesner wollte es verhindern mit der Begründung, dass der Pfarrer dies nicht wollte. Nach der hl. Messe brüllte er mir nach: "Gehen Sie zu Lefebvre!".
Und noch eine letzte Kleinigkeit. Zu der Pfarre gehörte auch ein Altenheim, wo ein bis zwei Mal in der Woche hl. Messe zu halten waren. Damit wurde ich vom Pfarrer beauftragt. Nach einigen Wochen erwähnte der dortigen ehrenamtlich Mesner nebenbei, dass das Altenheim dem Zelebranten den Dienst vergütet. Ich erhielt aber nichts, weder von der Leitung des Altenheims noch vom Pfarrer. Auf Nachfrage sagte der Mesner, dass das Altenheim dem Pfarrer dafür zahlt, und nannte auch einen Betrag. Bei Gelegenheit fragte ich den Pfarrer, wie das eigentlich geregelt sei. Da ist er rot angelaufen und versprach, dies es in Ordnung zu bringen. Nach einiger Zeit übergab er mir einen Betrag in der Höhe des Priesteranteils eines Messstipendiums (2-3 Schilling, wenn ich mich richtig erinnere). Ich wusste aber, dass das Altenheim den Betrag wie für eine Aushilfe zahlt, also ungefähr das Zehnfache. Ich weiß nicht mehr, ob ich es dem Pfarrer sagte oder nicht. Jedenfalls war ich für ihn wie ein rotes Tuch für ein Stier. Bald danach erhielt ich telefonisch eine Vorladung vom Generalvikar. Als ich zu ihm kam, stellte sich heraus, dass der Pfarrer von ihm meine Abberufung verlangte, und er sagte mir, dass ich ab November (also nach zwei Monaten der Tätigkeit an der ersten Kaplansstelle) in die Pfarre entsandt werde, wo der frühere Regens, der mich in das Priesterseminar aufnahm, Pfarrer ist. Ich fand es ungerecht, aber irgendwie verständlich, und leistete keinen Widerstand.
Ich stand auch mit dem Kardinal in Kontakt und berichtete ihm bereits im September über die Schwierigkeiten, auch in Audienzen, die zumindest zwei Mal in der Woche möglich waren.
In einem Gespräch sagte der Kardinal, dass Homosexualität der Pfarrers bekannt sei. Ich konnte es mich erklären, wie es möglich war, gerade mich zu seinem Kaplan zu machen. Ich war bitter enttäuscht darüber und auch darüber, dass mit der Versetzung nach nur zwei Monaten ich als der Verlierer da stehe. Diesem Unmut gab ich schriftlich Ausdruck, wie die Antwort des Kardinals bezeugt:
Im Zusammenhang mit meinen Erfahrungen wurde mir klar, warum weder vor mir noch nach mir einen Kaplan bekam. Zwei Jahre später wurde er wieder Dorfpfarrer. Unter Kardinal Schönborn erhielt er den Ehrentitel "Monsignore", übrigens ebenso wie der erwähnte Pfarrer Koren, der mir verbot, die Kommunion kniend in den Mung zu empfangen.
Bald wurde auch klar, dass die Versetzung in die zweite Pfarrei weniger als Schutz für mich, sondern eher als eine Maßnahme gegen mich gemeint war. Denn ich durfte dort täglich nur die hl. Messe zelebrieren (ohne einen freien Tag, der mir eigentlich zustand), Beichte hören und Begräbnisse halten. Ich durfte nicht unterrichten. Es tat mir schon weh, da ich nicht verbrochen hatte und mich stets nur für den Glauben und die Moral der Kirche einsetzte. Zugleich drängte der Pfarrer, dass ich auch andere "Hochgebete" verwende, nicht nur den Römischen Kanon, und den Dienst der sog. Ministrantinnen nicht boykotiere. Ich machte es nämlich so: Um die Kinder nicht zu kränken, schickte ich die Mädchen nicht weg, ließ mich aber von ihnen nicht bedienen, sondern stellte die Kännchen auf den Altar. Das hat dem Pfarrer natürlich nicht gefallen und er berichtete dem Kardinal darüber, mit dem er seit vielen Jahren herzlich befreundet war. Hier die Versuche des Kardinals, mich auf die Linie des Pfarrers zu bringen:
Gegen Ende des Arbeitsjahres gab mir der Pfarrer zu verstehen, dass ich für meine Unnachgiebigkeit wieder mit einer Versetzung bestraft werden sollte. Es wurde mir auch klar, dass ich beim Kardinal keinen Rückhalt hatte. Hier muss ich hinzufügen, dass ich in dem Jahre - der Empfehlung des Professors folgend - mit Vorbereitungen für eine Doktorarbeit begann, um die Zeit, die ich relativ viel hatte, zu nützen. Das Wohnen in Wien und somit die Nähe zu Universität waren von Vorteil. Dies wurde auch im Erzbischöflichen Ordinariat bekannt. Deshalb dachte man sich eine weitere Maßnahme gegen mich aus: Versetzung aufs Land, weit weg von Wien. Der Vorwand war: Es ist die Pfarre mit einem polnischen Pfarrer, wo früher selbst der ehemalige Kardinal Wojtyła auf Besuch war. Der Pfarrer war relativ jung, es heißt Tadeusz Cichoń. Er übernahm die Pfarre nach seinem Onkel, der mit dem späteren Papst befreundet war. Als mir die Entscheidung mitgeteilt wurde, besuchte den Pfarrer. Tadeusz ist ein sympathischer und offener Mensch, dies hat mir gefallen. Ich habe bis heute persönlich nichts gegen ihn. Im Vorfeld erfuhr ich aber, dass die Pfarre viele Kommunionhelfer hat, was damals sehr selten war. Das machte mich misstrauisch. Zudem hatte die Pfarre nie einen Kaplan und sah, wie weit weg das Wien ist. So schienen mir Spannungen auf liturgischem Gebiet vorprogrammiert, viel zu tun hätte ich dort nicht, und die Entfernung von der Universität würde weiteres Studium praktisch unmöglich machen (es gibt nicht einmal eine Bahnstation im Ort und ich hatte damals kein Auto). Ich tat es ungerne, musste aber den Vorschlag ablehnen, mit den genannten Gründen, die ich offen darlegte. Daraufhin teilte mir der Generalvikar mit, dass er keine weiteren Lösungen hätte und ich mir höchstens selbst eine Pfarre suchen könnte. Bei einer der erfolglosen Anfragen in Wien, sagte mir einer von den Pfarrern ziemlich offen, dass mein Ruf inzwischen so sei, dass ich keinen Pfarrer finden würde, der bereit wäre, mich aufzunehmen. Schließlich sagte ein Pfarrer in der Nähe von Wien, in Kaltenleutgeben, zu. Ich kannte ihn von meiner Nachprimiz, die ich bei ihm auf Einladung eines Bekannten, der zu der Pfarre gehört, feiern durfte. Die Pfarre hatte nie einen Kaplan. Im Pfarrhaus gab es für mich nur ein kleines, dunkles und feuchtes Zimmer neben der Küche, nur mit einem Waschbecken (Duschen musste ich zunächst beim Pfarrer, zum WC musste ich in den Pfarrsaal nebenan). Dennoch hatte ich dort Ruhe zum Studieren, nach Wien war es nicht weit, und ich war nicht gezwungen, krasse liturgische Missbräuche mitzumachen. Ich hatte nur 2-3 Mal in der Woche die Pfarrmesse und konnte an den übrigen Tagen privat tridentinisch zelebrieren. Da entfaltete sich die Liebe zur überlieferten Liturgie, die mich noch mehr anzog.
Im Laufe des Wintersemesters 1994/5 absolvierte ich die für die Promotion erforderlichen Seminare und machte mir auch Gedanken über meine Zukunft. Es mehrten sich Hinweise, dass ich in der Erzdiözese Wien unerwünscht bin und keine Zukunft habe. Der Kardinal hat dem widersprochen und stand irgendwie hinter mir. Das Vorgehen meiner Feinde war hinterhältig: Zum Triennalkurs (Fortbildung für künftige Pfarrer) wurde ich nicht mehr eingeladen, dem Kardinal sagte man, dass ich unentschuldigt fern bliebe. Der Grund war: Ich hatte dem Kardinal berichtet, dass dabei Irrlehren verbreitet werden und zwar entgeltlich und auf Kosten der Zeit der jungen Priester.
In dem Jahr wurde ich immer wieder um Aushilfen gebeten, die ich gerne annahm. So habe ich einige Male in Wien in der sog. Indultmesse zelebiert. Dabei lernte ich einen der Priester der Petrusbruderschaft kennen, der sich um Kontakt bemühte. Er empfiehl mir eine Besuch im Priesterseminar in Wigratzbad. Gemeinsam fuhren wir dann im Winter dorthin auf Exerzitien. Sowohl die Liturgie als auch die Atmosphäre sagten mir zu. Zugleich erwähnte man mir mehrfach, dass man einen Priester für die Tätigkeit in Polen bräuchte. Der damalige Generalobere und auch andere Priester reisten immer wieder nach Polen. Deshalb entschloss ich mich, um Entlassung aus der Erzdiözese zu bitten, im Hinblick auf eventuellen Übertritt zur Petrusbruderschaft. Es ist aber ein anderes Kapitel. Es fällt damit zusammen, dass im September 1995 der Rücktritt von Kardinal Groër von seinem Amt als Erzbischof von Wien angenommen wurde. So begannt auch in seinem Leben und in der Erzdiözese Wien ein neues Kapitel.
Dieser Blog ist ein Beitrag zur Kirchengeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts.
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Donnerstag, 9. Juli 2020
Montag, 6. Juli 2020
Apologia pro vita sua I: Bei den Steyler Missionaren (SVD) 1988-1990
Als Seminarist und Priester (seit 1993) erlebte ich an eigener Haut, wie modernistisch unterwanderte Institutionen mit einem Katholiken umgehen, dem sie nichts außer Treue zum katholischen Glauben und zur Rechtsordnung der Kirche vorwerfen können.
Ich publiziere hier Dokumente aus dem Zeitraum von über dreißig Jahren. Sie sprechen für sich und ich versehe sie nur mit Kommentaren, die dem Verständnis der Dokumente dienen.
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Nach dem Noviziat und zwei Jahren philosophisch-theologischen Studiums in der Polnischen Provinz der Gesellschaft des Göttlichen Wortes (SVD) kam ich Ende August des Jahres 1988 auf Einladung und nach der Auswahl durch die Vorgesetzten nach Österreich, um dort an der ordenseigenen Hochschule St. Gabriel in Mödling bei Wien das Studium im Hinblick auf das Priestertum fort zu setzen. Eigentlich habe ich das Studium in Österreich als Übergangsphase betrachtet, denn ich wollte in die Mission. Jedoch ist es anders geworden und die Zeit wurde zu einer Wende, die auch heute mein Leben entscheidend prägt. Es war noch vor der politischen Wende. Auch kirchlich war die Situation auf beiden Seiten des eisernen Vorhangs viel unterschiedlicher als heute, ja sogar in vielerlei Hinsicht gegensätzlich. Dies war selbst innerhalb desselben Ordens deutlich. Vieles hat mir in St. Gabriel und in Österreich, wie ich es damals kennen lernen konnte, gefallen. Ich kam ja aus einem kommunistischen Land. Noch viel stärker war der Gegensatz in kirchlicher Hinsicht: Geprägt durch den polnischen Katholizismus des Papstes Wojtyła fand ich es schockierend, wie dieser selbst von den Oberen gehässig verspottet wurde, und zwar nicht wegen menschlicher Schwächen und Fehler, sondern wegen wichtiger Punkte der katholischen Lehre bezüglich des Glaubens und der Sitten. Diese antikatholische Einstellung der meisten und gerade der tonangebenden Mitbrüder in St. Gabriel hatte auch eine Gestalt in der Liturgie. Aus Polen kannte ich die "Jugendliturgie" der Blachnicki-Bewegung. Im Priesterseminar der SVD in Polen ging es für die dortigen Verhältnisse liturgisch auch nicht gerade konservativ zu. Was ich aber in St. Gabriel erlebte und eigentlich gezwungen wurde mitzumachen, überstieg alle Normalität und die elementarsten Grundsätze der katholischen Liturgie.
Ein Beispiel: Zwei Mal in der Woche gab es die sog. Kommunitätsmesse - im Kreis der Fratres in Ausbildung, d. h. der Studenten. Wir waren ca. ein Dutzend in allen Jahrgängen, außer Novizen und Diakonen. Dies fand in einem Saal statt, nicht in der Kirche, nicht einmal in einer Kapelle. Man saß im Kreis, der Priester auch, normalerweise nur mit einer Stola über der Zivilkleidung. Immer wieder saß man die ganze Zeit, auch bei der Konsekration, einschließlich des Zelebranten. Hinknien war praktisch verboten, wie es sich herausstellte. Manchmal ließ der Zelebrant Teile des Hochgebets die umsitzenden Fratres vorlesen. Die Kommunion, d. h. die Schale mit den konsekrierten (?) Hostien und der Kelch wurden im Kreis herumgereicht, wodurch die Mundkommunion praktisch ausgeschlossen war.
Da ich nach nur einem Monat des Sprachkurses ab Oktober mit dem Studium beginnen konnte, stellte ich in den Vorlesungen fest, dass solche Praktiken samt regelmäßigen Schimpftiraden gegen Wojtyła, Ratzinger, Groër (den damaligen Erzbischof von Wien) keine Missgeschicke waren, sondern in den (pseudo)theologischen und eigentlich häretischen Ansichten gründeten. Natürlich konnte ich dem nicht folgen. Obwohl ich mit niemandem darüber sprach und schwieg, konnte und wollte ich nicht verbergen, dass ich diesen Inhalten und Praktiken nicht zustimmen kann. Dies führte zu Provokationen, denen ich ebenfalls nicht folgte. In der Liturgie bestand ich darauf, das zu praktizieren, wofür ich eine Grundlage in den liturgischen Büchern des Novus Ordo fand (bei dieser Gelegenheit musste ich schmerzlich feststellen, wie schwammig und verräterisch diese Bestimmungen sind). Selbst das Festhalten an den minimalen Bestimmungen des Novus Ordo wurde mir sehr übel genommen, obgleich ich andererseits eigentlich von allen Mitbrüdern zunächst Sympathie zu spüren bekam, auch von solchen, die sich dann der Gesinnung nach als Feinde herausstellten.
Nach dieser notwendigen Einführung lasse ich die Dokumente sprechen, die ich vorsorglich aufbewahre.
Es ist in der SVD (ähnlich wie in allen Orden und Kongregationen) üblich, gegen Ende des Studienjahres im Hinblick auf das Verfahren der Zulassung zu den Gelübden die sog. Votierung abzuhalten. Das Wesentliche besteht darin, über alle Mitbrüder in der Ausbildung, die zu den Gelübden zugelassen werden wollen, eine Bewertung abzugeben. Dies tun sowohl die Fratres übereinander als auch die Mitbrüder in den ewigen Gelübden über die Fratres. Man hat drei Noten zu vergeben:
pp, was bedeutet "sehr positiv"
p, was bedeutet "positiv"
i, was bedeutet "fraglich" und ist de facto negativ, wobei jede Bewertung der Einschätzung der Vorgesetzten überlassen wird.
In Polen haben die Vorgesetzten die bloßen Noten eingesammelt und dann Jedem summarisch vorgestellt. In St. Gabriel war es zudem üblich, dass sowohl der Präfekt (d. h. unmittelbare Vorgesetzte) als auch die Fratres einander eine schriftliche Mitteilung übergaben, oft im Zusammenhang mit einem Gespräch. Es war jedoch nicht verpflichtend und so habe ich von einem der Mitbrüder keine schriftliche Mitteilung bzw. Begründung der Bewertung erhalten.
Ich fange mit der Bewertung des Präfekten an, mit dem ich von Anfang an Probleme hatte, die ich dann noch darlegen werde. Trotz der Probleme gab er mir ein "p". Am Ende seiner Mitteilung gibt er die Summe der Bewertungen an:
- von den Fratres in zeitlichen Gelübden bekam ich ein "pp", sonst "p",
- von den Mitbrüdern in ewigen Gelübden gab es zwei "pp", drei "i" und sonst "p".
Wer von den Fratres ein "i" gab, wurde offenbar: Albin, der bereits in den ewigen Gelübden war und somit keine Vergeltung zu befürchten hatte.
Es ist ein Schweizer, der derzeit in seiner Heimat wirkt (Quelle hier):
Nun die Übrigen dem Alter nach.
Stefan Üblackner, aus Oberösterreich:
Er wirkt derzeit in der Steiermark (Quelle hier):
Albert Fuchs, aus der Schweiz (wirkt in Kenia, Quelle hier).
Alex Rödlach, ein Österreicher aus Tirol, ein sehr sympathischer Zeitgenosse:
Was er jetzt macht, weiß ich nicht, dürfte aber wissenschaftlich tätig sein (Quelle hier und hier).
Adam Grządziel (umgeändert auf Grondziel), aus Polen (Schlesien):
Über seine derzeitige Tätigkeit ist nur wenig zu finden im Netz (Quelle hier).
Roberto Diaz Castro aus Chile (wirkt in seiner Heimat, Quelle hier):
Stefan Hübscher aus der Schweiz (er ist ausgetreten und hat wohl geheiratet):
Anton aus Kroatien (ist ausgetreten und hat geheiratet):
Christian Stranz aus Österreich (Burgenland) - er war ein Liebling der Präfekten Pepp Steinmetz und arbeitet auch heute mit ihm zusammen (Quelle hier):
Ferdinand aus Indonesien (er ist ausgetreten, hat als Laie die Theologie fertig studiert, dann dürfte er als Pastoralassistent in Wien gewirkt haben, was er jetzt macht, ist mir unbekannt):
Paulus Budi Kleden aus Indonesien - er ist der jetzige (seit 2018) Generalobere der Steyler Missionare:
Quelle hier.
Ich darf anmerken, was auch seiner Bewertung zu entnehmen ist: Wir haben uns gut verstanden und gemocht.
Tomek, der Mitbruder, mit dem ich aus Polen nach Österreich kam (er ist ausgetreten, ist zurück nach Polen, hat dort Psychologie studiert und arbeitet als Psychologe):
Dies habe ich schriftlich - freundlich und bestimmt - anhand sowohl der Konstitutionen der SVD als auch der Allgemeinen Einführung in das Römische Messbuch abgelehnt. Die Reaktion des Präfekten war heftig: Mit lautem Geschrei, das auch im Gang zu hören war, forderte er mich auf, mich zu beugen oder das Haus unverzüglich zu verlassen.
Zugleich gab es seitens einiger Mitbrüder Vermittlungsversuche. Unter anderem wollte der Provinzökonom P. Magiera (aus Schlesien) mich überzeugen, dass er mich gut verstehen würde, es aber klüger wäre, wenn ich dem Präfekten folgen würde. In diesem Sinne sprach mit mir auch der polnische Provinzial und spätere Vizegeneral P. K. Keller, der in St. Gabriel auf Besuch war. So wurde mir klar, dass ich einerseits keinen Rückhalt habe, und andererseits dass der Präfekt eindeutig seine Kompetenzen überschreitet und seine Position missbraucht. Deshalb wandte ich mich schriftlich an den Generaloberen in Rom. Da ich den begründeten Verdacht hatte, dass die Briefe, die man normalerweise unfrankiert einem Bruder zum Versand überließ, kontrolliert werden und gegebenenfalls verschwinden, brachte ich meinen Brief selbst zur Post. Nach ca. zwei Wochen merkte ich am rot angelaufenen Gesicht des Präfekten, dass mein Brief den Generaloberen erreicht hatte und dieser seine Antwort gab. Diese war mehr als enttäuschend, aber für den Präfekten wiederum ein harter Schlag, weil die Angelegenheit das Generalat in Rom und somit ein höheres Niveau erreichte. Zugleich sah er sich zu Recht ausgetrickst, denn er hätte es niemals zugelassen, dass der Brief über den üblichen Weg, d. h. über die Poststelle im Haus, in die Welt geht. Dennoch wurde mir auch klar, dass ich selbst von der Generalleitung in Rom keine Hilfe und keinen Rückhalt erwarten kann, obwohl das Kirchenrecht und die Liturgie eindeutig auf meiner Seite sind:
Nach mehreren Gesprächen mit meinem Seelenführer und nach Überlegungen kam ich zu dem Entschluss, die Gesellschaft zu verlassen, um in Ruhe und in einigermaßen geordneten Zuständen das Studium im Hinblick auf das Priestertum fortzusetzen:
Ich publiziere hier Dokumente aus dem Zeitraum von über dreißig Jahren. Sie sprechen für sich und ich versehe sie nur mit Kommentaren, die dem Verständnis der Dokumente dienen.
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Nach dem Noviziat und zwei Jahren philosophisch-theologischen Studiums in der Polnischen Provinz der Gesellschaft des Göttlichen Wortes (SVD) kam ich Ende August des Jahres 1988 auf Einladung und nach der Auswahl durch die Vorgesetzten nach Österreich, um dort an der ordenseigenen Hochschule St. Gabriel in Mödling bei Wien das Studium im Hinblick auf das Priestertum fort zu setzen. Eigentlich habe ich das Studium in Österreich als Übergangsphase betrachtet, denn ich wollte in die Mission. Jedoch ist es anders geworden und die Zeit wurde zu einer Wende, die auch heute mein Leben entscheidend prägt. Es war noch vor der politischen Wende. Auch kirchlich war die Situation auf beiden Seiten des eisernen Vorhangs viel unterschiedlicher als heute, ja sogar in vielerlei Hinsicht gegensätzlich. Dies war selbst innerhalb desselben Ordens deutlich. Vieles hat mir in St. Gabriel und in Österreich, wie ich es damals kennen lernen konnte, gefallen. Ich kam ja aus einem kommunistischen Land. Noch viel stärker war der Gegensatz in kirchlicher Hinsicht: Geprägt durch den polnischen Katholizismus des Papstes Wojtyła fand ich es schockierend, wie dieser selbst von den Oberen gehässig verspottet wurde, und zwar nicht wegen menschlicher Schwächen und Fehler, sondern wegen wichtiger Punkte der katholischen Lehre bezüglich des Glaubens und der Sitten. Diese antikatholische Einstellung der meisten und gerade der tonangebenden Mitbrüder in St. Gabriel hatte auch eine Gestalt in der Liturgie. Aus Polen kannte ich die "Jugendliturgie" der Blachnicki-Bewegung. Im Priesterseminar der SVD in Polen ging es für die dortigen Verhältnisse liturgisch auch nicht gerade konservativ zu. Was ich aber in St. Gabriel erlebte und eigentlich gezwungen wurde mitzumachen, überstieg alle Normalität und die elementarsten Grundsätze der katholischen Liturgie.
Ein Beispiel: Zwei Mal in der Woche gab es die sog. Kommunitätsmesse - im Kreis der Fratres in Ausbildung, d. h. der Studenten. Wir waren ca. ein Dutzend in allen Jahrgängen, außer Novizen und Diakonen. Dies fand in einem Saal statt, nicht in der Kirche, nicht einmal in einer Kapelle. Man saß im Kreis, der Priester auch, normalerweise nur mit einer Stola über der Zivilkleidung. Immer wieder saß man die ganze Zeit, auch bei der Konsekration, einschließlich des Zelebranten. Hinknien war praktisch verboten, wie es sich herausstellte. Manchmal ließ der Zelebrant Teile des Hochgebets die umsitzenden Fratres vorlesen. Die Kommunion, d. h. die Schale mit den konsekrierten (?) Hostien und der Kelch wurden im Kreis herumgereicht, wodurch die Mundkommunion praktisch ausgeschlossen war.
Da ich nach nur einem Monat des Sprachkurses ab Oktober mit dem Studium beginnen konnte, stellte ich in den Vorlesungen fest, dass solche Praktiken samt regelmäßigen Schimpftiraden gegen Wojtyła, Ratzinger, Groër (den damaligen Erzbischof von Wien) keine Missgeschicke waren, sondern in den (pseudo)theologischen und eigentlich häretischen Ansichten gründeten. Natürlich konnte ich dem nicht folgen. Obwohl ich mit niemandem darüber sprach und schwieg, konnte und wollte ich nicht verbergen, dass ich diesen Inhalten und Praktiken nicht zustimmen kann. Dies führte zu Provokationen, denen ich ebenfalls nicht folgte. In der Liturgie bestand ich darauf, das zu praktizieren, wofür ich eine Grundlage in den liturgischen Büchern des Novus Ordo fand (bei dieser Gelegenheit musste ich schmerzlich feststellen, wie schwammig und verräterisch diese Bestimmungen sind). Selbst das Festhalten an den minimalen Bestimmungen des Novus Ordo wurde mir sehr übel genommen, obgleich ich andererseits eigentlich von allen Mitbrüdern zunächst Sympathie zu spüren bekam, auch von solchen, die sich dann der Gesinnung nach als Feinde herausstellten.
Nach dieser notwendigen Einführung lasse ich die Dokumente sprechen, die ich vorsorglich aufbewahre.
Es ist in der SVD (ähnlich wie in allen Orden und Kongregationen) üblich, gegen Ende des Studienjahres im Hinblick auf das Verfahren der Zulassung zu den Gelübden die sog. Votierung abzuhalten. Das Wesentliche besteht darin, über alle Mitbrüder in der Ausbildung, die zu den Gelübden zugelassen werden wollen, eine Bewertung abzugeben. Dies tun sowohl die Fratres übereinander als auch die Mitbrüder in den ewigen Gelübden über die Fratres. Man hat drei Noten zu vergeben:
pp, was bedeutet "sehr positiv"
p, was bedeutet "positiv"
i, was bedeutet "fraglich" und ist de facto negativ, wobei jede Bewertung der Einschätzung der Vorgesetzten überlassen wird.
In Polen haben die Vorgesetzten die bloßen Noten eingesammelt und dann Jedem summarisch vorgestellt. In St. Gabriel war es zudem üblich, dass sowohl der Präfekt (d. h. unmittelbare Vorgesetzte) als auch die Fratres einander eine schriftliche Mitteilung übergaben, oft im Zusammenhang mit einem Gespräch. Es war jedoch nicht verpflichtend und so habe ich von einem der Mitbrüder keine schriftliche Mitteilung bzw. Begründung der Bewertung erhalten.
Ich fange mit der Bewertung des Präfekten an, mit dem ich von Anfang an Probleme hatte, die ich dann noch darlegen werde. Trotz der Probleme gab er mir ein "p". Am Ende seiner Mitteilung gibt er die Summe der Bewertungen an:
- von den Fratres in zeitlichen Gelübden bekam ich ein "pp", sonst "p",
- von den Mitbrüdern in ewigen Gelübden gab es zwei "pp", drei "i" und sonst "p".
Wer von den Fratres ein "i" gab, wurde offenbar: Albin, der bereits in den ewigen Gelübden war und somit keine Vergeltung zu befürchten hatte.
Es ist ein Schweizer, der derzeit in seiner Heimat wirkt (Quelle hier):
Nun die Übrigen dem Alter nach.
Stefan Üblackner, aus Oberösterreich:
Er wirkt derzeit in der Steiermark (Quelle hier):
Albert Fuchs, aus der Schweiz (wirkt in Kenia, Quelle hier).
Alex Rödlach, ein Österreicher aus Tirol, ein sehr sympathischer Zeitgenosse:
Was er jetzt macht, weiß ich nicht, dürfte aber wissenschaftlich tätig sein (Quelle hier und hier).
Adam Grządziel (umgeändert auf Grondziel), aus Polen (Schlesien):
Über seine derzeitige Tätigkeit ist nur wenig zu finden im Netz (Quelle hier).
Roberto Diaz Castro aus Chile (wirkt in seiner Heimat, Quelle hier):
Stefan Hübscher aus der Schweiz (er ist ausgetreten und hat wohl geheiratet):
Anton aus Kroatien (ist ausgetreten und hat geheiratet):
Zeljko aus Kroatien (ist entlassen worden, sein weiterer Weg ist mir unbekannt):
Christian Stranz aus Österreich (Burgenland) - er war ein Liebling der Präfekten Pepp Steinmetz und arbeitet auch heute mit ihm zusammen (Quelle hier):
Paulus Budi Kleden aus Indonesien - er ist der jetzige (seit 2018) Generalobere der Steyler Missionare:
Ich darf anmerken, was auch seiner Bewertung zu entnehmen ist: Wir haben uns gut verstanden und gemocht.
Tomek, der Mitbruder, mit dem ich aus Polen nach Österreich kam (er ist ausgetreten, ist zurück nach Polen, hat dort Psychologie studiert und arbeitet als Psychologe):
Wie man an diesen Dokumenten sieht, war ich noch der Gewinner, denn im Ergebnis wurde ich 1989 zu den Gelübden zugelassen. Offensichtlich wollte man angesichts der guten Bewertungen seitens der Gemeinschaft mir doch noch eine Chance geben. Die Lage spitzte sich jedoch im Herbst zu. Der Präfekt verlangte unmissverständlich und unter Gehorsam, dass ich die liturgischen Missbräuche mitmache:
Zugleich gab es seitens einiger Mitbrüder Vermittlungsversuche. Unter anderem wollte der Provinzökonom P. Magiera (aus Schlesien) mich überzeugen, dass er mich gut verstehen würde, es aber klüger wäre, wenn ich dem Präfekten folgen würde. In diesem Sinne sprach mit mir auch der polnische Provinzial und spätere Vizegeneral P. K. Keller, der in St. Gabriel auf Besuch war. So wurde mir klar, dass ich einerseits keinen Rückhalt habe, und andererseits dass der Präfekt eindeutig seine Kompetenzen überschreitet und seine Position missbraucht. Deshalb wandte ich mich schriftlich an den Generaloberen in Rom. Da ich den begründeten Verdacht hatte, dass die Briefe, die man normalerweise unfrankiert einem Bruder zum Versand überließ, kontrolliert werden und gegebenenfalls verschwinden, brachte ich meinen Brief selbst zur Post. Nach ca. zwei Wochen merkte ich am rot angelaufenen Gesicht des Präfekten, dass mein Brief den Generaloberen erreicht hatte und dieser seine Antwort gab. Diese war mehr als enttäuschend, aber für den Präfekten wiederum ein harter Schlag, weil die Angelegenheit das Generalat in Rom und somit ein höheres Niveau erreichte. Zugleich sah er sich zu Recht ausgetrickst, denn er hätte es niemals zugelassen, dass der Brief über den üblichen Weg, d. h. über die Poststelle im Haus, in die Welt geht. Dennoch wurde mir auch klar, dass ich selbst von der Generalleitung in Rom keine Hilfe und keinen Rückhalt erwarten kann, obwohl das Kirchenrecht und die Liturgie eindeutig auf meiner Seite sind:
Nach mehreren Gesprächen mit meinem Seelenführer und nach Überlegungen kam ich zu dem Entschluss, die Gesellschaft zu verlassen, um in Ruhe und in einigermaßen geordneten Zuständen das Studium im Hinblick auf das Priestertum fortzusetzen:
Es wurde mir die Dispens von den zeitlichen Gelübden erteilt, wie mir von dem Provinzialoberen mitgeteilt wurde:
Der polnische Provinzial und spätere Vizegeneral äußerte sein Bedauern:
Ein Mitbruder, den ich einige Monate zuvor kennen lernte und mir seine Sympathie erwies, schrieb mir dann einen Brief, der ziemlich ehrlich und zutreffend von grundlegenden theologischen Differenzen spricht (Unterstreichungen sind von mir):
Das ist der Verfasser, zu dem ich seitdem keinen Kontakt hatte, obwohl wir beide ziemlich lange zeitgleich in München lebten (Quelle hier):
Wie soll ich diese Daten zusammenfassen? Ist eine Zusammenfassung notwendig? Ich überlasse es lieber den Lesern. Die Zusammenhänge werden in den weiteren Teilen dieser apologia pro vita sua klarer.
Hier erlaube ich mir nur eine Bemerkung: Der Präfekt, auf dessen Wirken mein de facto Rausschmiß zurück geht, bekam keine Konsequenzen zu spüren. Ungefähr ein Jahr später ist er sogar Pfarrer in Wien geworden (in der Pfarrei der Steyler in 10. Wiener Bezirk). Somit konnte er weiterhin Intrigen gegen mich betreiben, denn ich war seit Februar 1990 im Priesterseminar in Wien.
Als ich dann erfuhr, dass mein Jahrgangsmitbruder - der Liebling der Präfekten - vom Apostolischen Nuntius in Österreich zum Priester geweiht werden soll, schrieb ich diesen Brief:
Daraufhin bekam ich einen Anruf aus der Apostolischen Nuntiatur in Wien mit der Einladung zu einem Gespräch. Überrascht und etwas verunsichert nahm ich die Einladung selbstverständlich an. Das Gespräch mit dem Apostolischen Nuntius Erzbischof Donato Squicciarini war freundlich, obwohl natürlich diplomatisch. Er hatte jedoch eine klare Botschaft für mich: Ich sollte künftig keine solchen Briefe schreiben, sondern meine Anliegen persönlich vortragen. Somit wurde mir klar, dass auch bei der Apostolischen Nuntiatur solche Zeugnisse der Geschichte nicht gerne gesehen werden. Es war eine weitere bittere Enttäuschung und ein Grund zum Nachdenken, wobei mir die Tragweite dieser Erfahrungen noch nicht bewusst war.
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